Zirkuläres Bauen und die Kreislaufwirtschaft: Interview und Vortrag von SRU-Mitglied Prof. Christina Dornack am 02.06.2026
Die Klimabilanz des Bausektors ist besonders gravierend - umso größer sind hier aber auch die Potentiale einer funktionierenden Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Als Zentrales Instrument für die Minderung von negativen Umweltauswirkungen erweist sich hier das zirkuläre Bauen. Gemeint ist die möglichst weitgehende Umstellung des Bauens auf nachhaltige Materialien und Prozesse von der Planung bis zum Rückbau und zur Verwertung. [GGSC] führt dazu am 02.06.2026 ein Expert:innen-Interview mit Prof. Dr. Christina Dornack, Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU) als Mitautorin der zum Thema soeben erschienenen Studie des SRU zum Thema. Das Interview eröffnet einen ersten Einstieg mit besonderem Fokus auf der (öffentlichen) Kreislaufwirtschaft. Am Digitalen Tag der Abfallwirtschaft von [GGSC] am 18.06.2026 berichtet Frau Prof. Dornack dann ausführlicher zu Potentialen und Hemmnissen für das zirkuläre Bauen und zu etwaigen Konsequenzen für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger.
Zirkuläres Bauen: Ein neues zentrales Konzept der Zukunft
Paradigmatisch für das Ansinnen, Ressourcenverbrauch und Treibhausgasimmissionen im Bausektor zu senken, ist das zirkuläre Bauen. Der Begriff steht für eine umfassende Betrachtung und Bewertung von Bauprodukten und Bauweisen von der Ressourcenschöpfung bis zum Lebensende eines Gebäudes mit dem Ziel, die Umweltauswirkungen des Bauens durch Wiederverwendung, Verwertung und nur möglichst geringe Beseitigung gezielt strategisch zu minimieren.
Zu den Potentialen und Hemmnissen des zirkulären Bauens hat der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), das wissenschaftliche Beratungsgremium der Bundesregierung, nun eine ausführliche Studie vorgelegt („Zirkulär bauen: Bestand erhalten, Kreisläufe schließen“).
Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz am Bau: der Bedarf ist groß
Der Bedarf für ein kreislaufwirtschaftliches Umsteuern in der Baubranche ist besonders stark. So schreibt der SRU in seiner Studie:
"Die massiven Umweltschäden, die mit dem Bauen verbunden sind, können und müssen gemindert werden. Die Umweltwirkungen ziehen sich durch den gesamten Prozess von Rohstoffgewinnung, Errichtung, Betrieb und Instandhaltung von Gebäuden bis hin zum Abbruch und der Deponierung von Bauabfällen. Mehr als ein Drittel des Rohstoffbedarfs in Deutschland entsteht im Hoch- und Tiefbau. Der Bau- und Gebäudebereich verursacht mehr als die Hälfte des jährlichen Abfallaufkommens und einen Großteil des Flächenverbrauchs. 8 % der deutschen Treibhausgasemissionen entfallen auf die inländische Baustoffproduktion."
Immer noch hohe Hürden – und gewaltige Potentiale
Zirkuläres Bauen kann die negativen Umweltwirkungen des Bauens erheblich verringern, doch trotz aller bestehenden Ansätze sind die Hürden weiterhin hoch. Seine Umsetzung betrifft alle Phasen des Bauens im weitesten Sinne: von der Bedarfsbestimmung (muss gebaut werden? Neu- oder Umbau?) über die Planung der Bauweise sowie der Ressourcenwahl und -gewinnung bis zur Durchführung des Baus, der Gebäudeinstandhaltung bis zum Rückbau und dem anschließenden Schicksal der entnommenen Bauteile. Alle Phasen müssen von Beginn an in der Planung in den Blick genommen werden. Gleichzeitig bietet zirkuläres Bauen nicht nur ökologische Chancen, sondern auch ökonomische: Unterm Strich kann sich die konsequente Verfolgung dieses Ansatzes durchaus als wirtschaftlich vorteilhaft darstellen, wie Erfahrungen aus der Praxis zeigen.
Vor welchen Hürden das zirkuläre Bauen dennoch weiterhin steht, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, wie und wo zirkuläres Bauen aber auch derzeit schon möglich ist, erläutert Frau Prof. Dornack sowohl im Interview als auch in ihrem Vortrag auf dem digitalen Tag der Abfallwirtschaft.
Co-Autor: Max Mayer