Deutschlands erstes Geothermieprojekt mit vierter Anschlussbohrung

Die GEOVOL Unterföhring GmbH hat deutschlandweit als erstes Geothermieprojekt in eine dritte und vierte Bohrung investiert. Die geothermische Fernwärmeversorgung in Unterföhring hat sich bewährt, deshalb soll jetzt auch der gesamte Süden Unterföhrings mit umweltfreundlicher, heimischer Fernwärme versorgt werden. Die erste Dublette wurde bereits 2008 erfolgreich abgeteuft und versorgt Teile von Unterföhring-Nord sowie einen Gewerbepark mit geothermischer Wärme. [GGSC] hat das Projekt von Beginn an begleitet und in zahlreichen betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragen beraten. Wirtschaftlichkeitsberechnungen und das Finanzierungskonzept wurden mit unserer Unterstützung ebenso erstellt wie die Wärmelieferverträge nebst Preisgleitklausel verhandelt. So half [GGSC] bei Gesellschaftsgründung, der Implementierung der Geothermie und der Konzeption des Wärmenetzes.

Bereits das Projekt mit der ersten Dublette zeichnete sich durch einen hohen Eigenkapitalanteil aus. Der Gemeinderat stand stets voll hinter dem Vorhaben. Prägendes Merkmal sind die hohe Anschlussquote und die vielen Großkunden, welche die GEOVOL akquirieren konnte.

Das Projekt II ist eine eigenständige Geothermie-Fernwärmeversorgung für den südlichen Unterföhringer Gemeindebereich, der heute noch von den Stadtwerken München mit Gas beliefert wird. Nach Auslaufen der Konzessionsverträge wird sukzessive auf „geothermische Wärme“ umgestellt.

[GGSC] hat die Berechnungen für die Wirtschaftlichkeit sowie die Finanzierung und die Beantragung der Fördermittel bei der KfW / Landesanstalt für Aufbaufinanzierung Bayern begleitet. Die erste Reaktion der KfW bzw. des Bundesumweltministeriums zeigte, dass vor allem in der Darstellung und Erklärung der Technik sowie der klaren Abgrenzung zwischen den Bohrungen „Dublette I“ und „Dublette II“ erheblicher Erklärungsbedarf bestand.

Das Vergabeverfahren für die Bohrarbeiten einschließlich Verhandlung des Bohr-GU-Vertrages hat [GGSC] ebenfalls unterstützt, ein Verhandlungsverfahren nach der Sektorenverordnung. Dabei kam als Novum eine detaillierte Zuschlagsmatrix zum Einsatz, die [GGSC] gemeinsam mit dem beteiligten geologischen Planer Erdwerk GmbH konzipiert hatte. Der unterlegene Bieter leitete ein Nachprüfungsverfahren vor der Vergabekammer Südbayern ein. Diese verneinte jedoch die behaupteten Vergaberechtsverstöße und hob ausdrücklich die führsorgliche Verfahrensgestaltung durch die Vergabestelle hervor.

Danach konnte es mit den Bohrungen endlich losgehen. Bei der Bohrplatzweihe im Februar und der Fündigkeitsfeier im Oktober 2014 gab es jeweils eine spektakuläre Laser-Show. Die Energiezentrale II nahm die GEOVOL im September 2015 in Betrieb.

Die geothermische Leistung übertrifft die erste Bohrdublette mit 10 MW sogar noch. Die Spitzenlast wird durch Gaskessel abgedeckt, die zugleich die Redundanz bilden; zwei BHKW liefern neben dem Strom auch Wärme, die permanent eingespeist wird. Das hier zur Anwendung kommende Konzept unterscheidet sich durch den Einsatz von Gas als Spitze (bei der ersten Dublette Öl) und der Eigenstromversorgung durch BHKWs enorm vom „Konzept 2008“ und zeigt die Entwicklung in diesem Bereich.

Die Investitionen für die Bohrungen und den Bau der Energiezentrale inklusive Technik belaufen sich auf insgesamt rund 26 Mio. €. Die Kosten für den Netzausbau bis 2024 betragen etwa 23 Mio. €, für Reinvestitionen sind circa 19 Mio. € vorgesehen (davon 8,3 Mio. € für den planmäßigen Austausch der Tauchkreiselpumpen, im Übrigen für Wärmeübergabestationen und andere Technik). Die Gesamtinvestitionen für die Projekte I und II zusammen betragen rund 68 Mio. €.